Alumni Club Berlin Brandenburg Talk mit Nobelpreisträgerin Nüsslein-Volhard

Alumni Club Berlin Brandenburg: Talk mit Nobelpreisträgerin Nüsslein-Volhard

Alumna Christiane Nüsslein-Volhard zu Gast im International Club Berlin

Prof. Dr. Christiane Nüsslein-Volhard, Trägerin des Medizin-Nobelpreises


Sie ist Forscherin durch und durch. Und die einzige Deutsche, die bislang den Nobelpreis für Medizin bekam. Schon als Kind war Christiane Nüsslein-Volhard klar, dass sie Biologin werden wollte. Als sie im International Club nahe des Theodor-Heuss-Platzes in Berlin ihre Karriere Revue passieren lässt, ist die Leidenschaft noch immer spürbar. Zwar ist die 76-Jährige inzwischen emiritiert, doch sie forscht weiter. Ihr aktuelles Projekt: Zebrafische und wie Gene die Farbmuster beeinflussen.

Nüsslein-Volhard musste sich im Laufe ihrer internationalen Karriere immer wieder gegen Arroganz, Geringschätzung und Sexismus behaupten. Doch die Kultur des Umgangs habe sich verbessert. „Heute wird eher auf gutes Benehmen geguckt als früher“, sagt die ehemalige Direktorin des Tübinger Max-Planck-Institutes für Entwicklungsbiologie. 1977 war sie als Stipendiatin der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Universität Freiburg. „Ich habe mir meine Forschungsthemen immer selbst ausgesucht und war fast besessen“, berichtet sie dem Alumni-Club Berlin und Brandenburg. Widerworte – auch gegenüber ihren Vorgesetzten – konnte sie sich selten verkneifen.

Der frühere „British Officers’ Club“ bot das passende Ambiente des Abends. Alumnus Dr. Christoph Abeln, Fachanwalt für Arbeitsrecht, hat den Club Berlin und Brandenburg freundlicherweise eingeladen. So konnten sich Vortrag und Socialising hervorragend ergänzen.

Als Nüsslein-Volhards wissenschaftliche Karriere im Jahr 1995 mit dem Nobelpreis gekrönt wurde, hat sie die Vorbereitungen in Schweden bis zur Preisverleihung genossen. Vorträge, Empfänge und ein eigens ihr zugewiesener Attaché strukturierten ihren Aufenthalt. „Es ist sehr zeitraubend, berühmt zu sein“, erinnert sie sich. „Ständig musste ich alles wiederholen und den Journalisten erklären. Doch die Schweden können so nett feiern.“ Sie wurde für ihre Forschung an dem Genom von Fruchtfliegen ausgezeichnet.

Bis heute ist der renommierten Forscherin die Karriere von Frauen in der Wissenschaft ein Anliegen. In ihrem Vortrag vor dem Alumni-Club Berlin und Brandenburg würdigte sie Rosalind Franklin (1920 in London geboren), die sich ebenfalls der Forschung verschrieben hatte. Sie war an der Entdeckung der DNA Doppelhelix beteiligt, wofür Francis Crick und James Watson im Jahr 1962 den Medizin-Nobelpreis erhielten. Rosalind Franklin starb 1958 an Krebs. „Eine verhinderte Nobelpreisträgerin, die mehr Aufmerksamkeit und Respekt verdient.“ Anhand dieser Geschichte will Nüsslein-Volhard Frauen heutzutage Mut machen, sich zu trauen, ihre eigenen Forschungsfragen anzugehen. Im Jahr 2004 gründete die Nobelpreisträgerin eine Stiftung, um begabten jungen Frauen in der Wissenschaft durch finanzielle Zuschüsse Kinderbetreuung und Karriere zu erleichtern.

 

Text/Foto: Silke Engel