Alumni Club Berlin Brandenburg: Zehn Tage in Evian - Eine historische Reportage von Jochen Thies

Alumni Club Berlin Brandenburg: Zehn Tage in Evian – Eine historische Reportage von Jochen Thies

Zehn Tage in Evian 1938
Alumnus Jochen Thies stellt seine historische Reportage vor

Als Dr. Jochen Thies vor ein paar Jahren durch den französische Kurort Evian fuhr, war seine Neugier geweckt. Der Historiker erinnerte sich wage an die internationale Flüchtlingskonferenz, die dort 1938 zehn Tage lang stattgefunden hatte.

Alumnus Jochen Thies

Obwohl der Nationalsozialismus ein Thema ist, das ihn seit einem Schlüsselerlebnis als 11-jähriger Schüler nicht mehr loslässt, wusste er über diese Konferenz nicht viel und begann zu recherchieren. Er spürte das Protokoll auf, übersetze das Französisch der Diplomaten und schrieb das Buch „Evian 1938. Als die Welt die Juden verriet.“
Herausgekommen ist „eine historische Reportage“, kommentiert der Autor. „Kein Kunstgriff, denn nichts ist erfunden. Ich habe nur Fakten aus diesem Sommer 1938 zusammengetragen, die sich an den zehn Konferenztagen ereigneten.“ Dazu hat der Historiker, der 1975 in Freiburg bei Prof. Andreas Hillgruber mit der Dissertation „Hitlers Endziele“ promoviert wurde, Zeitungsartikel, Erinnerungen und andere Quellen akribisch ausgewertet. Für den Freiburger Alumni Club Berlin-Brandenburg liest er ausgewählte Passagen und ordnet seine Erkenntnisse ein.

Da Jochen Thies Jahrzehntelang als Journalist gearbeitet hat, versteht er zu schreiben. Ihm gelingt eine Dramaturgie, die die Leserin bzw. den Leser bei der Stange hält – obwohl die Konferenz von Evian gescheitert war und zu keinem Ergebnis geführt hat.

Alumni Club Berlin Brandenburg

Die Stärke des Buches ist es, die politische und gesellschaftliche Situation der teilnehmenden Staaten im Sommer 1938 so zu beleuchten, dass Momentaufnahmen und Analyse ein Bild ergeben, das zur eigenen Bewertung anregt.


D
er frühere Redenschreiber von Bundeskanzler Helmut Schmidt spannt in seinem Buch auch den Bogen in die Gegenwart und nimmt die europäische Diskussion über die Verteilung von Flüchtlingen in den Fokus. „Kein Vergleich ist das Ziel. Dazu sind Rahmenbedingungen, Zahlen und Fluchtursachen zu verschieden. Doch interessant ist, wie deckungsgleich die Sprache klingt, mit der die Politiker die Aufnahme von Flüchtlingen verweigern. Hier ist nicht zu unterscheiden, ob die Zitate aus dem Jahr 1938 oder aus dem Jahr 2015 stammen.“ Ein gehaltvoller Alumni-Abend, der nachwirkt. Viele Gäste haben Jochen Thies Buch gekauft, um tiefer einzusteigen.

 

Text/Foto: Dr. phil Silke Engel